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  <ntv:article ntv:readingtime="2" ntv:layout="detail" ntv:author="von Till Schwarze" ntv:publishdate="23.03.2011 16:08" ntv:section="Spezial" ntv:id="2927076" ntv:homesection="Spezial" ntv:url="https://apps.n-tv.de/Spezial/Super-GAU-versus-Panikmache-article2927076.html" ntv:contenttype="meldung" ntv:outbrain="outbrain_comp">
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    <ntv:field ntv:name="headline">Super-GAU versus Panikmache</ntv:field>
    <ntv:field ntv:name="subheadline">"Wir haben schon Tschernobyl-Verhältnisse"</ntv:field>
    <ntv:field ntv:name="teaser">Ist Japan bereits deutlich stärker verstrahlt als bislang behauptet wird? "Wir haben es bereits mit dem Super-GAU zu tun", sagt Strahlenschutz-Experte Pflugbeil. Er beruft sich auf Messungen der IAEA und fordert, die Evakuierungszone um das Atomkraftwerk Fukushima deutlich auszuweiten. Dagegen warnt das Institut für Strahlenschutz vor Panikmache.</ntv:field>
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      <ntv:field ntv:name="caption">Das Atomkraftwerk Fukushima mitsamt der beschädigten Reaktorblöcke.</ntv:field>
      <ntv:field ntv:name="credits">dpa</ntv:field>
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    <ntv:field ntv:name="plainbody"><![CDATA[<p>Die Gesellschaft für Strahlenschutz fordert eine deutliche Ausweitung der Evakuierungszone um das <a href="http://www.n-tv.de/Spezial/AKW-Fukushima-geraeumt-article2920641.html" target="_self" rel="follow">japanische Atomkraftwerk Fukushima</a>. Der bisherige Radius von 20 Kilometern um die Katastrophenmeiler reiche nicht aus. &quot;Wir haben dort jetzt schon Tschernobyl-Verhältnisse&quot;, sagt Sebastian Pflugbeil, Präsident der Gesellschaft. &quot;Die Menschen müssen da weg, so schnell wie möglich.&quot;</p><div data-adformat="sc_intxt" style="margin-top: -10px; margin-bottom: 10px;" id="sc_intxt"></div><p>Pflugbeil beruft sich auf <a href="http://www.iaea.org/newscenter/news/tsunamiupdate01.html" target="_self" rel="follow">Strahlenwerte der Internationalen Atomenergiebehörde</a> IAEA. Sie hat Messungen im Umkreis von 200 Kilometern um Fukushima vorgenommen und habe dabei hohe Werte von Beta-Gamma-Strahlungen in Entfernungen von bis zu 58 Kilometer festgestellt: Zwischen 200.000 und 900.000 Becquerel pro Quadratmeter liege die Verstrahlung. &quot;Das ist die Größenordnung von heißen Flecken bei Tschernobyl&quot;, sagt Pflugbeil n-tv.de. Dort seien die so genannten &quot;hot spots&quot; als Kontaminationen mit mehr als 555.000 Becquerel pro Quadratmeter definiert worden. &quot;Die Höhe der Strahlenbelastung ist erheblich&quot;, warnt Pflugbeil. Er hält eine Evakuierungszone in einem Radius von 80 Kilometern für nötig, so wie es auch die US-Regierung empfohlen hat.</p><h3>Japans Regierung beschwichtigt</h3><div id="2927041"></div><p>Die japanische Regierung lehnt eine Ausweitung der Evakuierungszone bislang allerdings ab. Zwar räumt die Regierung ein, dass auch an Orten weiter als 30 Kilometer vom Unglückskraftwerk entfernt hohe Radioaktivität auftreten könne. Womöglich seien Werte von 100 Millisievert pro Stunde gemessen worden, so Regierungssprecher Yukio Edana. Die natürliche Hintergrundstrahlung liegt bei etwa 2 Millisievert pro Jahr. Besorgte Anwohner sollten deshalb die Fenster geschlossen halten. Die Strahlung ändere sich aber ständig mit dem Wind. Es sei schwer, sie genau zu messen.</p><p>Zur Erklärung: <a href="http://www.n-tv.de/Spezial/Die-Folgen-fuer-den-Menschen-article2822641.html" target="_self" rel="follow">Sievert ist die Maßeinheit für Strahlenbelastung von Organismen</a>. Dagegen wird mit Becquerel die Radioaktivität etwa am Boden angegeben. &quot;Radioaktive Partikel gehen in <a href="http://www.n-tv.de/Spezial/Pflanzen-Milch-und-Wasser-sind-belastet-article2905791.html" target="_self" rel="follow">Pflanzen, Boden, Grundwasser</a> und können an Schuhen sowie durch Erdaushub aufgewirbelt werden&quot;, erklärt Pflugbeil. Er hält diese Art der Radioaktivität für hoch gefährlich. In Deutschland gilt für Lebensmittel ein Grenzwert von 600 Becquerel pro Kilogramm, bei Babynahrung sind nur bis zu 370 Becquerel pro Kilogramm erlaubt.</p><h3>"Keine belastbaren Informationen"</h3><div id="2927071"></div><p>Andere Experten widersprechen allerdings Pflugbeils Warnungen und halten eine Ausweitung der Evakuierungszone nicht für nötig. "Die Zahlen können Sie vergessen. Das sind keine belastbaren Informationen", sagt Peter Jacob, Leiter des Instituts für Strahlenschutz am Helmholtz-Zentrum München. Nach Berechnungen seines Instituts sei es zwar nicht auszuschließen, dass nördlich von Fukushima sogar noch höhere Werte gemessen werden könnten. Jacob nennt 1000 Kilobecquerel pro Quadratmeter vorstellbar. Doch sei damit noch keine Aussage über den Grad der Verstrahlung getroffen. Es hänge davon ab, wo die Werte gemessen wurden – ob im Boden, im Gras oder an der Oberfläche etwa.</p><p>Der Physiker warnt vor Panikmache, die Größenordnungen müssten realistisch eingeschätzt werden. Selbst wenn von Werten wie in Tschernobyl die Rede sei. Es bestehe derzeit anders als behauptet kein sehr hohes Krebsrisiko. "Wenn 100 Leute eine Dosis von 100 Millisievert abbekommen, steigt die Krebswahrscheinlichkeit um einen zusätzlichen Fall an", sagt Jacob. Sprich: Wenn 40 von 100 Menschen normalerweise ein Krebsrisiko haben, hätten nach der radioaktiven Verseuchung mit 100 Millisievert 41 Menschen das Risiko. Und er weist darauf hin, dass in den hoch radioaktiv verseuchten Gebieten um Tschernobyl die Menschen über einen Zeitraum von 20 Jahren 100 Millisivert aufgenommen hätten, weil sie etwa verstrahlte Nahrung gegessen hätten.</p><div id="native11"></div><p>Der Strahlenexperte kann auch nicht die Empfehlung der USA verstehen, die Evakuierungszone in Japan auf 80 Kilometer auszuweiten. Im Moment sei sie ausreichend, erst wenn es in den Reaktoren von Fukushima noch heißer werde, müsse man über weitere Schritte nachdenken. Jacob weist zudem auf das Risiko bei Evakuierungen hin, wenn etwa Krankenhäuser und Altenheime geräumt werden müssten. "Da sterben Menschen", sagt er. Man müsse deshalb abwägen, welches Risiko größer sei.</p>]]></ntv:field>
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        Die Gesellschaft für Strahlenschutz fordert eine deutliche Ausweitung der Evakuierungszone um das
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        . Der bisherige Radius von 20 Kilometern um die Katastrophenmeiler reiche nicht aus. "Wir haben dort jetzt schon Tschernobyl-Verhältnisse", sagt Sebastian Pflugbeil, Präsident der Gesellschaft. "Die Menschen müssen da weg, so schnell wie möglich."
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        IAEA. Sie hat Messungen im Umkreis von 200 Kilometern um Fukushima vorgenommen und habe dabei hohe Werte von Beta-Gamma-Strahlungen in Entfernungen von bis zu 58 Kilometer festgestellt: Zwischen 200.000 und 900.000 Becquerel pro Quadratmeter liege die Verstrahlung. "Das ist die Größenordnung von heißen Flecken bei Tschernobyl", sagt Pflugbeil n-tv.de. Dort seien die so genannten "hot spots" als Kontaminationen mit mehr als 555.000 Becquerel pro Quadratmeter definiert worden. "Die Höhe der Strahlenbelastung ist erheblich", warnt Pflugbeil. Er hält eine Evakuierungszone in einem Radius von 80 Kilometern für nötig, so wie es auch die US-Regierung empfohlen hat.
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      <h3>Japans Regierung beschwichtigt</h3>
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      <p>Die japanische Regierung lehnt eine Ausweitung der Evakuierungszone bislang allerdings ab. Zwar räumt die Regierung ein, dass auch an Orten weiter als 30 Kilometer vom Unglückskraftwerk entfernt hohe Radioaktivität auftreten könne. Womöglich seien Werte von 100 Millisievert pro Stunde gemessen worden, so Regierungssprecher Yukio Edana. Die natürliche Hintergrundstrahlung liegt bei etwa 2 Millisievert pro Jahr. Besorgte Anwohner sollten deshalb die Fenster geschlossen halten. Die Strahlung ändere sich aber ständig mit dem Wind. Es sei schwer, sie genau zu messen.</p>
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        und können an Schuhen sowie durch Erdaushub aufgewirbelt werden", erklärt Pflugbeil. Er hält diese Art der Radioaktivität für hoch gefährlich. In Deutschland gilt für Lebensmittel ein Grenzwert von 600 Becquerel pro Kilogramm, bei Babynahrung sind nur bis zu 370 Becquerel pro Kilogramm erlaubt.
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      <h3>"Keine belastbaren Informationen"</h3>
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      <p>Andere Experten widersprechen allerdings Pflugbeils Warnungen und halten eine Ausweitung der Evakuierungszone nicht für nötig. "Die Zahlen können Sie vergessen. Das sind keine belastbaren Informationen", sagt Peter Jacob, Leiter des Instituts für Strahlenschutz am Helmholtz-Zentrum München. Nach Berechnungen seines Instituts sei es zwar nicht auszuschließen, dass nördlich von Fukushima sogar noch höhere Werte gemessen werden könnten. Jacob nennt 1000 Kilobecquerel pro Quadratmeter vorstellbar. Doch sei damit noch keine Aussage über den Grad der Verstrahlung getroffen. Es hänge davon ab, wo die Werte gemessen wurden – ob im Boden, im Gras oder an der Oberfläche etwa.</p>
      <p>Der Physiker warnt vor Panikmache, die Größenordnungen müssten realistisch eingeschätzt werden. Selbst wenn von Werten wie in Tschernobyl die Rede sei. Es bestehe derzeit anders als behauptet kein sehr hohes Krebsrisiko. "Wenn 100 Leute eine Dosis von 100 Millisievert abbekommen, steigt die Krebswahrscheinlichkeit um einen zusätzlichen Fall an", sagt Jacob. Sprich: Wenn 40 von 100 Menschen normalerweise ein Krebsrisiko haben, hätten nach der radioaktiven Verseuchung mit 100 Millisievert 41 Menschen das Risiko. Und er weist darauf hin, dass in den hoch radioaktiv verseuchten Gebieten um Tschernobyl die Menschen über einen Zeitraum von 20 Jahren 100 Millisivert aufgenommen hätten, weil sie etwa verstrahlte Nahrung gegessen hätten.</p>
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