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  <ntv:article ntv:readingtime="3" ntv:layout="detail" ntv:agency="Günter Wächter, dpa" ntv:publishdate="21.07.2010 10:00" ntv:section="Archiv" ntv:id="1101976" ntv:homesection="Archiv" ntv:url="https://apps.n-tv.de/archiv/Norbert-Bluem-wird-75-Jahre-alt-article1101976.html" ntv:contenttype="meldung" ntv:outbrain="outbrain_comp">
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    <ntv:field ntv:name="headline">Norbert Blüm wird 75 Jahre alt</ntv:field>
    <ntv:field ntv:name="subheadline">"Ich bin an der Front zu finden"</ntv:field>
    <ntv:field ntv:name="teaser">Gute Sprüche hat er bis heute drauf und die Aussage "Die Rente ist sicher" hängt Norbert Blüm noch immer an. Am 21. Juli wird  das sozialpolitisches Gesicht der CDU 75.</ntv:field>
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    <ntv:field ntv:name="plainbody"><![CDATA[<p>"Und nicht vergessen: Es muss gekämpft werden", ruft Norbert Blüm im Weggehen dem Besucher zu. Kämpfen will er und er tut es: Für den Sozialstaat, für die Rentenversicherung und für die Solidarität zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern, wie er sie als CDU-Politiker und früherer Bundesarbeitsminister während des Einigungsprozesses erlebt hat. Denn diese Solidarität falle derzeit auseinander, klagt Blüm. Das Kapital habe sich längst auf die Globalreise begeben und die Gewerkschaften agierten lokal. "Das ist asymmetrisch." Die Arbeitgeber wollten aus der Beitragsbelastung heraus, deshalb gehe es um Kopfpauschale und Riester-Rente.</p><div data-adformat="sc_intxt" style="margin-top: -10px; margin-bottom: 10px;" id="sc_intxt"></div><p>Blüm war der einzige Minister, der Helmut Kohl die ganzen 16 Jahre seiner Regierungszeit (1982-1998) im Kabinett begleitete. Er galt in der schwarz-gelben Koalition als das "soziale Feigenblatt". Zu Blüms Leistungen in seiner Zeit als Minister gehört unter anderem die Einführung der Pflegeversicherung. Was ihm aber bis heute anhängt ist seine Plakataktion aus dem April 1986. Da ließ er sich im Kittel vor einer Litfaßsäule fotografieren, auf der ein Plakat mit dem Spruch prangte: "Denn eins ist sicher - die Rente".</p><h3>Sozialpolitisches Gesicht der CDU</h3><div id="1101861"></div><p>Zu Kohl ist das Verhältnis seit dem Parteispendenskandal (1999/2000) zerrüttet. Damals stellte sich Blüm gegen Kohl. Auch zur jetzigen CDU-Bundesvorsitzenden und Kanzlerin Angela Merkel gibt es keine engen Bande. Dennoch lässt es sich die Partei nicht nehmen, dem Querdenker für sein Engagement zu danken. Blüm sei viele Jahre "das sozialpolitische Gesicht der CDU-geführten Bundesregierung und unserer Partei" gewesen, bescheinigte ihm CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe in einem persönlichen Schreiben. Geprägt von der katholischen Soziallehre, habe Blüm "authentisch und glaubwürdig, hartnäckig und streitbar, zumeist erfolgreich vor allem für die Anliegen von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern gekämpft".</p><p>Der gebürtige Rüsselsheimer absolvierte eine Lehre zum Werkzeugmacher bei Opel, machte dann am Abendgymnasium sein Abitur und studierte Philosophie, Germanistik, Geschichte und Theologie. 1967 erfolgte seine Promotion zum Dr. Phil. Heute lebt er mit seiner Frau Marita in Bonn.</p><h3>Querdenker</h3><p>Auch zum 75. Geburtstag gibt sich Blüm so, wie ihn alle kennen von Redeauftritten im Bundestag, auf Partei- und Gewerkschaftstagen und aus vielen TV-Talkrunden: "Ihr habt gar nicht kapiert, dass hundert Jahre die Kultur des Miteinanders mühsam aufgebaut wurde, seit Bismarck. Ganze Generationen Sozialdemokraten, Zentrum, Arbeitgeber haben da mitgewirkt", sagte er. "Und jetzt fangen wir an, den Sozialstaat entweder zu privatisieren oder zu verstaatlichen." Dabei arbeiteten sich beide Seiten in die Hände. Die Privatisierer brauchten die Verstaatlicher, weil sie zur Lösung der Armutsfrage eine Grundsicherung benötigten. Und die Verstaatlicher brauchten die Privatisierer, weil sie die Lebensstandardsicherung sonst nicht lösen könnten. "Und in diese Zange gerät der solidarische Sozialstaat."</p><p>Der aber finde derzeit weltweit Anhänger, diagnostiziert Blüm. Die USA hätten plötzlich den Wert der solidarischen Krankenversicherung entdeckt und in Skandinavien gehe man weg von der Staatsversorgung hin zur Beitragsfinanzierung. "Nur wir hier in Deutschland, wir fahren wie Geisterfahrer gegen die Richtung."</p><div id="native11"></div><h3>Bewahrer mit Gerechtigkeitssinn</h3><div id="1101931"></div><p>Eigentlich vertrete er ja ganz alte Sachen, sagt Blüm. "Mit 75 denke ich plötzlich, dass mehr Mut dazu gehört, Erhaltenswertes zu erhalten, beispielsweise Solidarität, Partnerschaft zwischen Kapital und Arbeit, die Welt, die Schöpfung zu hegen und zu pflegen und sie nicht zu unterwerfen."</p><p>Er sei ja nicht traurig im Sinne von resigniert, sagt Blüm. Aber so etwas wie die Kopfpauschale widerspreche dem elementaren Gerechtigkeitsbild. "Da braucht man ja nicht 2000 Jahre abendländische Philosophie zu studieren." Es bleibe eben die schon im Neandertal gültige Weisheit: "Die Starken müssen für die Schwachen da sein. Die Jungen zahlen für die Alten." Da könne das System aussehen wie es wolle, privat oder gesetzlich. "Wenn unsere Vorfahren das nicht getan hätten, wären wir nicht aus dem Neandertal herausgekommen, sondern wären da erfroren."</p><div id="mid1"></div><p>Seinen Geburtstag wird Blüm in Aachen verbringen. An der dortigen Hochschule schließt er eine Vorlesungsreihe in Philosophie ab, die er in diesem Sommersemester gehalten hat. Abends geht er mit Frau, Kindern und sechs Enkeln essen.</p>]]></ntv:field>
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      <p>"Und nicht vergessen: Es muss gekämpft werden", ruft Norbert Blüm im Weggehen dem Besucher zu. Kämpfen will er und er tut es: Für den Sozialstaat, für die Rentenversicherung und für die Solidarität zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern, wie er sie als CDU-Politiker und früherer Bundesarbeitsminister während des Einigungsprozesses erlebt hat. Denn diese Solidarität falle derzeit auseinander, klagt Blüm. Das Kapital habe sich längst auf die Globalreise begeben und die Gewerkschaften agierten lokal. "Das ist asymmetrisch." Die Arbeitgeber wollten aus der Beitragsbelastung heraus, deshalb gehe es um Kopfpauschale und Riester-Rente.</p>
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      <p>Blüm war der einzige Minister, der Helmut Kohl die ganzen 16 Jahre seiner Regierungszeit (1982-1998) im Kabinett begleitete. Er galt in der schwarz-gelben Koalition als das "soziale Feigenblatt". Zu Blüms Leistungen in seiner Zeit als Minister gehört unter anderem die Einführung der Pflegeversicherung. Was ihm aber bis heute anhängt ist seine Plakataktion aus dem April 1986. Da ließ er sich im Kittel vor einer Litfaßsäule fotografieren, auf der ein Plakat mit dem Spruch prangte: "Denn eins ist sicher - die Rente".</p>
      <h3>Sozialpolitisches Gesicht der CDU</h3>
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      <p>Zu Kohl ist das Verhältnis seit dem Parteispendenskandal (1999/2000) zerrüttet. Damals stellte sich Blüm gegen Kohl. Auch zur jetzigen CDU-Bundesvorsitzenden und Kanzlerin Angela Merkel gibt es keine engen Bande. Dennoch lässt es sich die Partei nicht nehmen, dem Querdenker für sein Engagement zu danken. Blüm sei viele Jahre "das sozialpolitische Gesicht der CDU-geführten Bundesregierung und unserer Partei" gewesen, bescheinigte ihm CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe in einem persönlichen Schreiben. Geprägt von der katholischen Soziallehre, habe Blüm "authentisch und glaubwürdig, hartnäckig und streitbar, zumeist erfolgreich vor allem für die Anliegen von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern gekämpft".</p>
      <p>Der gebürtige Rüsselsheimer absolvierte eine Lehre zum Werkzeugmacher bei Opel, machte dann am Abendgymnasium sein Abitur und studierte Philosophie, Germanistik, Geschichte und Theologie. 1967 erfolgte seine Promotion zum Dr. Phil. Heute lebt er mit seiner Frau Marita in Bonn.</p>
      <h3>Querdenker</h3>
      <p>Auch zum 75. Geburtstag gibt sich Blüm so, wie ihn alle kennen von Redeauftritten im Bundestag, auf Partei- und Gewerkschaftstagen und aus vielen TV-Talkrunden: "Ihr habt gar nicht kapiert, dass hundert Jahre die Kultur des Miteinanders mühsam aufgebaut wurde, seit Bismarck. Ganze Generationen Sozialdemokraten, Zentrum, Arbeitgeber haben da mitgewirkt", sagte er. "Und jetzt fangen wir an, den Sozialstaat entweder zu privatisieren oder zu verstaatlichen." Dabei arbeiteten sich beide Seiten in die Hände. Die Privatisierer brauchten die Verstaatlicher, weil sie zur Lösung der Armutsfrage eine Grundsicherung benötigten. Und die Verstaatlicher brauchten die Privatisierer, weil sie die Lebensstandardsicherung sonst nicht lösen könnten. "Und in diese Zange gerät der solidarische Sozialstaat."</p>
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      <p>Er sei ja nicht traurig im Sinne von resigniert, sagt Blüm. Aber so etwas wie die Kopfpauschale widerspreche dem elementaren Gerechtigkeitsbild. "Da braucht man ja nicht 2000 Jahre abendländische Philosophie zu studieren." Es bleibe eben die schon im Neandertal gültige Weisheit: "Die Starken müssen für die Schwachen da sein. Die Jungen zahlen für die Alten." Da könne das System aussehen wie es wolle, privat oder gesetzlich. "Wenn unsere Vorfahren das nicht getan hätten, wären wir nicht aus dem Neandertal herausgekommen, sondern wären da erfroren."</p>
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