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  <ntv:article ntv:readingtime="2" ntv:layout="detail" ntv:author="Manfred Bleskin" ntv:publishdate="13.07.2009 15:36" ntv:section="Politik" ntv:id="409368" ntv:homesection="Kommentare" ntv:url="https://apps.n-tv.de/politik/politik_kommentare/Jahrhundertprojekt-oder-flop-article409368.html" ntv:contenttype="meldung" ntv:outbrain="outbrain_comp">
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    <ntv:field ntv:name="headline">Jahrhundertprojekt oder -flop?</ntv:field>
    <ntv:field ntv:name="subheadline">Zwischenruf</ntv:field>
    <ntv:field ntv:name="teaser">Die Wüsten Nordafrikas sind vielfach Niemandsland, wo ein jeder schaltet und waltet, wie er will. Wer soll das ehrgeizige Desertec-Projekt beschützen? Wer soll das bezahlen?</ntv:field>
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    <ntv:field ntv:name="plainbody"><![CDATA[<p>Mit dem Beschluss über die Gründung eines Konsortiums zur Gewinnung von Sonnenstrom in Nordafrika ist der Startschuss für ein Projekt gefallen, das der Menschheit einen Ausweg aus der drohenden Energiekrise aufzeigt. Wenn sich daran EON und RWE federführend beteiligen, zeigt das, dass bei den wegen ihrer Atomenergieschiene zu Recht arg Kritisierten doch nicht aller umweltbewusster Hopfen und Malz verloren ist.</p><div data-adformat="sc_intxt" style="margin-top: -10px; margin-bottom: 10px;" id="sc_intxt"></div><div id="409165"></div><p>Sonnenkraftwerke können praktisch unbegrenzt riesige Mengen Energie liefern. Die Sonne erlischt wohl erst in sechs Milliarden Jahren. Fossile Brennstoffe werden schon in einigen Jahrzehnten knapp. Die Kernfusion wird erst in einem halben Jahrhundert eine mögliche Energiequelle. Gegner des Projekts wie Vattenfall sprechen von zu hohen Kosten. Wahrlich, 400 Milliarden Euro sind kein Pappenstiel. Aber verglichen mit den weltweiten Rüstungsausgaben von unvorstellbaren anderthalb Billionen Dollar im vergangenen Jahr handelt es sich hier um einen Klacks. Umso mehr, als das Geld nicht für die Vernichtung, sondern für die Erhaltung von Leben verwendet werden soll. Zudem sollen die 400 Milliarden nicht auf einmal, sondern über Jahre hinweg investiert werden. Dabei können sich die Kosten erhöhen. Nicht nur für Bau und Betrieb, sondern durch die Speicherung der riesigen Mengen an Solarenergie. Die Abnahme Europas wäre in den Sommermonaten zwangsläufig geringer als im Winter. Unabdingbar wäre die Lieferung von Strom in benachbarte und andere afrikanische oder arabische Staaten. Sonst erschiene das Projekt als energiepolitischer Neokolonialismus.</p><p>Sonnenkraftwerke gibt es bereits, zum Beispiel in der Nähe von Almería in Südspanien. Die Anlage ist die größte ihrer Art in Europa und entstand in Reaktion auf die erste Ölkrise Anfang der siebziger Jahre. Daran sind auch deutsche Unternehmen beteiligt. Doch die Sahara in Algerien und Libyen ist nicht die Wüste von Tabernas. Spanien gehört zur EU; die Wüsten Nordafrikas sind vielfach Niemandsland, wo ein jeder schaltet und waltet, wie er will. Auch Terroristen, die durch das Projekt erst angelockt werden könnten. Es ist fraglich, ob die Standortländer die Sicherheit derartiger Anlagen allein garantieren können. Exterritorialität käme aus Gründen der jeweiligen nationalen Souveränität kaum in Frage. Eine internationale Schutztruppe wäre eine Möglichkeit. Doch unter wessen Kommando soll sie stehen? Ohne einen (sicherheits-) politischen Rahmen ist das Vorhaben nur sehr schwer realisierbar. Die vielgerühmte Mittelmeerunion hat es ein Jahr nach ihrer Gründung noch nicht einmal geschafft, das geplante Verbindungsbüro in Barcelona zu eröffnen. Blieben die Europäische und die Afrikanische Union. Oder die UNO, denn Desertec und Folgeinitiative sollten zu einem der zentralen Anliegen internationaler Energiepolitik werden.</p><p><i>Manfred Bleskin kommentiert seit 1993 für n-tv das politische Geschehen. Er war zudem Gastgeber und Moderator verschiedener Sendungen. Seit 2008 ist Bleskin Redaktionsmitglied in unserem Hauptstadtstudio in Berlin.</i></p>]]></ntv:field>
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      <p>Mit dem Beschluss über die Gründung eines Konsortiums zur Gewinnung von Sonnenstrom in Nordafrika ist der Startschuss für ein Projekt gefallen, das der Menschheit einen Ausweg aus der drohenden Energiekrise aufzeigt. Wenn sich daran EON und RWE federführend beteiligen, zeigt das, dass bei den wegen ihrer Atomenergieschiene zu Recht arg Kritisierten doch nicht aller umweltbewusster Hopfen und Malz verloren ist.</p>
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      <p>Sonnenkraftwerke können praktisch unbegrenzt riesige Mengen Energie liefern. Die Sonne erlischt wohl erst in sechs Milliarden Jahren. Fossile Brennstoffe werden schon in einigen Jahrzehnten knapp. Die Kernfusion wird erst in einem halben Jahrhundert eine mögliche Energiequelle. Gegner des Projekts wie Vattenfall sprechen von zu hohen Kosten. Wahrlich, 400 Milliarden Euro sind kein Pappenstiel. Aber verglichen mit den weltweiten Rüstungsausgaben von unvorstellbaren anderthalb Billionen Dollar im vergangenen Jahr handelt es sich hier um einen Klacks. Umso mehr, als das Geld nicht für die Vernichtung, sondern für die Erhaltung von Leben verwendet werden soll. Zudem sollen die 400 Milliarden nicht auf einmal, sondern über Jahre hinweg investiert werden. Dabei können sich die Kosten erhöhen. Nicht nur für Bau und Betrieb, sondern durch die Speicherung der riesigen Mengen an Solarenergie. Die Abnahme Europas wäre in den Sommermonaten zwangsläufig geringer als im Winter. Unabdingbar wäre die Lieferung von Strom in benachbarte und andere afrikanische oder arabische Staaten. Sonst erschiene das Projekt als energiepolitischer Neokolonialismus.</p>
      <p>Sonnenkraftwerke gibt es bereits, zum Beispiel in der Nähe von Almería in Südspanien. Die Anlage ist die größte ihrer Art in Europa und entstand in Reaktion auf die erste Ölkrise Anfang der siebziger Jahre. Daran sind auch deutsche Unternehmen beteiligt. Doch die Sahara in Algerien und Libyen ist nicht die Wüste von Tabernas. Spanien gehört zur EU; die Wüsten Nordafrikas sind vielfach Niemandsland, wo ein jeder schaltet und waltet, wie er will. Auch Terroristen, die durch das Projekt erst angelockt werden könnten. Es ist fraglich, ob die Standortländer die Sicherheit derartiger Anlagen allein garantieren können. Exterritorialität käme aus Gründen der jeweiligen nationalen Souveränität kaum in Frage. Eine internationale Schutztruppe wäre eine Möglichkeit. Doch unter wessen Kommando soll sie stehen? Ohne einen (sicherheits-) politischen Rahmen ist das Vorhaben nur sehr schwer realisierbar. Die vielgerühmte Mittelmeerunion hat es ein Jahr nach ihrer Gründung noch nicht einmal geschafft, das geplante Verbindungsbüro in Barcelona zu eröffnen. Blieben die Europäische und die Afrikanische Union. Oder die UNO, denn Desertec und Folgeinitiative sollten zu einem der zentralen Anliegen internationaler Energiepolitik werden.</p>
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        <i>Manfred Bleskin kommentiert seit 1993 für n-tv das politische Geschehen. Er war zudem Gastgeber und Moderator verschiedener Sendungen. Seit 2008 ist Bleskin Redaktionsmitglied in unserem Hauptstadtstudio in Berlin.</i>
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