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    <ntv:field ntv:name="headline">Geldmarkt aus dem Tritt</ntv:field>
    <ntv:field ntv:name="subheadline">Haussegen hängt weiter schief</ntv:field>
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    <ntv:field ntv:name="plainbody"><![CDATA[<p>Vor dem Fall von Lehman war das Leben eines Geldhändlers einfach. Wann immer seine Bank abends nicht genug Geld übrig hatte, reichte ein Anruf und schon ein paar Minuten später war das Problem gelöst und wieder genug Liquidität auf dem Konto. Man kannte und vertraute einander. Der Handel mit Geld zwischen den Banken lief in aller Regel wie geschmiert und lautlos - ein Ölfilm des Finanzsystems, den niemand wahrnahm. Als dieser Schmierstoff auf dem Höhepunkt der Krise wegblieb, knirschte es heftig im System.</p><div data-adformat="sc_intxt" style="margin-top: -10px; margin-bottom: 10px;" id="sc_intxt"></div><p>Fast ein Jahr nach dem Aus der US-Investmentbank Lehman Brothers und zwei Jahre nach Beginn der Finanzkrise läuft der Interbankenhandel in der Euro-Zone immer noch auf Sparflamme. Dies bedeutet nicht, dass die Banken sich nicht refinanzieren können. Doch am Geldmarkt - wo sich Banken untereinander unbesichert Liquidität zur Verfügung stellen, die sie wiederum von der Europäischen Zentralbank (EZB) bekommen - läuft das Geschäft allenfalls bei kurzen Laufzeiten, und selbst das nur schleppend.</p><h3>Größte Not ist gelindert</h3><p>Doch es gibt Hoffnung: Denn die Bedingungen für die Mittelbeschaffung der Kreditinstitute haben sich in diesem Sommer sogar verbessert. "Die Refinanzierungsschwierigkeiten der Banken sind für's erste aus der Welt", fasst ein Händler zusammen. Ein Indiz dafür ist das Ausbleiben weiterer Anfragen an den SoFFin, über den sich Banken Garantien für die Emission von Anleihen besorgt haben. Der Topf hat ein Gesamtvolumen von 480 Milliarden Euro und ist noch nicht aufgebraucht. Rund 250 Milliarden Euro waren per Ende August noch zu vergeben.</p><p>Zudem können Banken wieder unbesicherte Anleihen herausgeben, was nach dem Lehman-Debakel für drei bis vier Monate nahezu undenkbar war, da niemand solche Papiere wollte. Freilich hängt viel vom Ansehen und dem Grad der staatlichen Absicherung der Bank ab. Ähnliches gilt für den Geldmarkt. Auch hier wird "nach Nase" bezahlt. Eine Bank mit gutem Ruf und am besten auch noch staatlichen Garantien bekommt das Geld für 0,2 Prozent oder sogar weniger. Hat eine Bank aber nicht das Vertrauen der Branche, wird es teuer.</p><h3>Referenzzinssätze leiten in die Irre</h3><p>Die Transparenz bleibt auf der Strecke: Früher gaben Referenzwerte wie der Eonia Einblick in die Kosten der Refinanzierung der Banken am Geldmarkt. Das war gestern. "Die Referenzsätze spiegeln seit Lehman nicht mehr die Verhältnisse wider", lautet denn auch die häufigste Klage der Geldhändler. So liegt der Eonia meist über 0,3 Prozent, während die meisten Banken den Tagesgeldzins bei 0,25 Prozent ansiedeln. In der Welt des Geldes sind das Welten.</p><p>Trotz der niedrigen Zinsen horten die Banken aber weiter Geld in ihren Tresoren oder bei der EZB, anstatt es über Kredite in den Wirtschaftskreislauf zu geben. Politiker und Ökonomen warnen denn auch vor einer Kreditklemme. Die Banken sitzen aber nicht aus Geiz auf ihrem Geld: Der Grund liegt vielmehr im Grundgesetz der Bankenbranche "Basel II": Es schreibt vor, dass Institute einen Kredit in ihrer Bilanz je nach Risiko des Kreditnehmers mit Eigenkapital hinterlegen müssen. In Krisenzeiten, wenn immer mehr Kredite auszufallen drohen, wird das schnell zum Problem. Je schlechter nämlich die Kreditwürdigkeit der Schuldner, desto mehr Rücklagen braucht eine Bank. Zudem schraubt die Politik ihre Anforderungen immer höher, weil extrem niedrigen Eigenkapitalquoten ein wesentlicher Treibsatz der Finanzkrise waren.</p><div id="native11"></div><h3>Notenbankern gehen Instrumente aus</h3><p>Was also tun? Die Möglichkeiten der EZB, über den Geldmarkt die Refinanzierung der Institute wieder anzukurbeln, scheinen jedenfalls erschöpft. So hat die Notenbank mit ihrem ersten Jahrestender Ende Juni zwar die Lage entspannt - die Banken konnten für zwölf Monate so viel Geld wie sie wollten bei der EZB für ein Prozent leihen. Doch das Vertrauen unter den Banken hat der geldhistorisch in Europa bislang einmalige Schritt nicht wiederherstellen können. Bis Jahresende will es die EZB deshalb noch zwei weitere Male versuchen.</p><p>Ihre Erfolgsaussichten scheinen aber begrenzt: "Egal was die EZB auch tut, wie viele Hunderte Milliarden sie für wie lange und zu welchem Zins den Banken auch andient: das Grundproblem ist psychologischer Natur", erklärt ein Händler. "Die Banken trauen einander einfach nicht." Wie lange das noch so bleibt, kann niemand sagen. Fest steht: Der traditionelle Geldmarkt ist im Jahre eins nach Lehman noch weit von der Normalität früherer Jahre entfernt.</p>]]></ntv:field>
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      <p>Vor dem Fall von Lehman war das Leben eines Geldhändlers einfach. Wann immer seine Bank abends nicht genug Geld übrig hatte, reichte ein Anruf und schon ein paar Minuten später war das Problem gelöst und wieder genug Liquidität auf dem Konto. Man kannte und vertraute einander. Der Handel mit Geld zwischen den Banken lief in aller Regel wie geschmiert und lautlos - ein Ölfilm des Finanzsystems, den niemand wahrnahm. Als dieser Schmierstoff auf dem Höhepunkt der Krise wegblieb, knirschte es heftig im System.</p>
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      <p>Fast ein Jahr nach dem Aus der US-Investmentbank Lehman Brothers und zwei Jahre nach Beginn der Finanzkrise läuft der Interbankenhandel in der Euro-Zone immer noch auf Sparflamme. Dies bedeutet nicht, dass die Banken sich nicht refinanzieren können. Doch am Geldmarkt - wo sich Banken untereinander unbesichert Liquidität zur Verfügung stellen, die sie wiederum von der Europäischen Zentralbank (EZB) bekommen - läuft das Geschäft allenfalls bei kurzen Laufzeiten, und selbst das nur schleppend.</p>
      <h3>Größte Not ist gelindert</h3>
      <p>Doch es gibt Hoffnung: Denn die Bedingungen für die Mittelbeschaffung der Kreditinstitute haben sich in diesem Sommer sogar verbessert. "Die Refinanzierungsschwierigkeiten der Banken sind für's erste aus der Welt", fasst ein Händler zusammen. Ein Indiz dafür ist das Ausbleiben weiterer Anfragen an den SoFFin, über den sich Banken Garantien für die Emission von Anleihen besorgt haben. Der Topf hat ein Gesamtvolumen von 480 Milliarden Euro und ist noch nicht aufgebraucht. Rund 250 Milliarden Euro waren per Ende August noch zu vergeben.</p>
      <p>Zudem können Banken wieder unbesicherte Anleihen herausgeben, was nach dem Lehman-Debakel für drei bis vier Monate nahezu undenkbar war, da niemand solche Papiere wollte. Freilich hängt viel vom Ansehen und dem Grad der staatlichen Absicherung der Bank ab. Ähnliches gilt für den Geldmarkt. Auch hier wird "nach Nase" bezahlt. Eine Bank mit gutem Ruf und am besten auch noch staatlichen Garantien bekommt das Geld für 0,2 Prozent oder sogar weniger. Hat eine Bank aber nicht das Vertrauen der Branche, wird es teuer.</p>
      <h3>Referenzzinssätze leiten in die Irre</h3>
      <p>Die Transparenz bleibt auf der Strecke: Früher gaben Referenzwerte wie der Eonia Einblick in die Kosten der Refinanzierung der Banken am Geldmarkt. Das war gestern. "Die Referenzsätze spiegeln seit Lehman nicht mehr die Verhältnisse wider", lautet denn auch die häufigste Klage der Geldhändler. So liegt der Eonia meist über 0,3 Prozent, während die meisten Banken den Tagesgeldzins bei 0,25 Prozent ansiedeln. In der Welt des Geldes sind das Welten.</p>
      <p>Trotz der niedrigen Zinsen horten die Banken aber weiter Geld in ihren Tresoren oder bei der EZB, anstatt es über Kredite in den Wirtschaftskreislauf zu geben. Politiker und Ökonomen warnen denn auch vor einer Kreditklemme. Die Banken sitzen aber nicht aus Geiz auf ihrem Geld: Der Grund liegt vielmehr im Grundgesetz der Bankenbranche "Basel II": Es schreibt vor, dass Institute einen Kredit in ihrer Bilanz je nach Risiko des Kreditnehmers mit Eigenkapital hinterlegen müssen. In Krisenzeiten, wenn immer mehr Kredite auszufallen drohen, wird das schnell zum Problem. Je schlechter nämlich die Kreditwürdigkeit der Schuldner, desto mehr Rücklagen braucht eine Bank. Zudem schraubt die Politik ihre Anforderungen immer höher, weil extrem niedrigen Eigenkapitalquoten ein wesentlicher Treibsatz der Finanzkrise waren.</p>
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      <h3>Notenbankern gehen Instrumente aus</h3>
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      <p>Ihre Erfolgsaussichten scheinen aber begrenzt: "Egal was die EZB auch tut, wie viele Hunderte Milliarden sie für wie lange und zu welchem Zins den Banken auch andient: das Grundproblem ist psychologischer Natur", erklärt ein Händler. "Die Banken trauen einander einfach nicht." Wie lange das noch so bleibt, kann niemand sagen. Fest steht: Der traditionelle Geldmarkt ist im Jahre eins nach Lehman noch weit von der Normalität früherer Jahre entfernt.</p>
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